Hey du, so schön, dass du da bist!
Kennst du dieses Gefühl, dass du die ganze Welt um dich herum zusammenhalten musst? Fühlst du dich oft verantwortlich für alles, was um dich herum geschieht? Hast du das Gefühl, du musst den Menschen um dich herum alles Schwere abnehmen? Woher kommt das Gefühl, als müsstest du die ganze Welt retten?
Diese Fragen sind mir in den letzten Tagen häufiger begegnet und ich möchte dem ein bisschen auf den Grund fühlen und schauen, woher kann es rühren, dass wir uns so allumfassend verantwortlich fühlen.
deine ganze Welt
Zu Beginn unseres Lebens, wenn wir hier in diese Welt hereinkommen, entwickeln wir uns von der ersten Zelle an im Körperfeld unserer Mutter. Und zu Beginn unseres physischen Lebens sind wir Teil von ihr, idealerweise beschützt durch ihr Feld und das Feld des Vaters. Unsere Seele kommt langsam und nach und nach in diesem Leben als Mensch an, beginnt den Körper zu spüren und sich mit ihm und durch ihn auszudrücken. Es ist so heilsam und ein wunderbares Fundament für unsere Entwicklung, wenn wir schon in dieser ersten Entwicklungsphase erkannt, willkommen geheißen und liebevoll gefühlt werden als eigenständiges Wesen.
Was geschieht, wenn unsere Eltern in unserer frühen Entwicklung in schwierigen Lebenssituationen waren? Gefühle wie große Angst und Panik eine Rolle spielten, vielleicht weil ein Elternteil fehlte und die Mutter oder der Vater tief überfordert waren mit der Situation, vielleicht weil es andere äußere Umstände gab, wie der Verlust des Zuhauses, große Ungewissheit und große Existenzängste? All das, was unsere Eltern erlebt haben, haben auch wir als Kinder wahrgenommen. Wir sind energetisch und physisch in ihrem Feld unterwegs und spüren die Sorgen, Ängste und Verzweiflung. Unser Körper reagiert auf diese Gefühle, als wären es unsere eigenen, oft spüren wir es im Hier und Heute, wenn wir uns einlassen und unserem Körper lauschen. Manchmal spüren wir es als allumfassende innere Anspannung, die wie eine Art Hintergrund unseres Lebens geworden ist – die Grundfarbe unseres Lebensbildes. Diese Spannung, in die unser Körper damals hineingegangen ist, hat uns innerlich zusammengehalten, hat uns geschützt davor, auseinanderzubrechen. Unser Körper hat vielleicht versucht nicht nur uns selbst zu halten, sondern vielleicht auch die überforderte Mutter oder den Vater, das chaotische Elternfeld, die herausfordernden Gefühle, die Trauer, Verzweiflung.
Es geht natürlich nicht darum, dass es im Leben der Eltern keine Herausforderungen geben darf, dass Eltern nicht auch Ängste und Sorgen haben dürfen ohne dass ihre Kinder da mit hineingehen. Es geht vielmehr darum, bei all dem Schweren, immer wieder in die innere Klarheit zurückzufinden und die Rolle des Kindes wahrzunehmen und zu schützen. Wenn das nicht gelingen konnte oder nur teilweise der Fall war, kann es passieren, dass wir als Kind beginnen, die Gefühlswelt unserer Eltern zu halten und die Verantwortung für etwas zu tragen, was uns nicht entspricht und unser Körpersystem vollständig überfordert, sodass tiefe innere Schutzmechanismen zu wirken beginnen, wir innerlich erstarren oder immerzu kämpfen, Bereiche in uns sich immer wehren oder flüchten möchten, das Chaos beseitigen möchten, um sich endlich entspannen zu können, endlich Ruhe zu finden. Und wenn wir erwachsen sind und diese inneren Schutzmechanismen nie Raum gefunden haben sich zu vervollständigen und zu regulieren, kann es sein, dass wir in körperlicher Dauerspannung jeden Menschen in unserem Umfeld zu retten versuchen.
Wer kann dich und deine Welt halten?
Wir haben in unserer Kindheit begonnen, die Welt der Erwachsenen zu halten. Und das ist vielleicht auf einer so tiefen körperlichen Ebene geschehen, dass wir uns später als Erwachsener fragen, warum wir uns denn ständig so verantwortlich fühlen und vielleicht nicht nur den Eltern gegenüber, sondern irgendwie der ganzen Welt gegenüber, denn unsere Eltern waren unsere ganze Welt. Wie können wir uns aus diesem Verantwortungs-Chaos herauslösen? Wie können wir die Welt und die Menschen darin wieder mehr die Welt und die Menschen darin sein lassen?
Wir können in der Arbeit mit unseren jüngeren Anteilen, die in dieses Kuddelmuddel hineingeraten sind, den Gefühlen von diesem großen Durcheinander, dieser zu großen Verantwortung und der damit verbundenen Angst und Verzweiflung, der körperlichen Hochspannung behutsam und in kleinen Schritten begegnen. Wir können in heilsamer Weise die unterschiedlichen Felder wieder differenzieren und den Anteilen von damals zeigen, dass wir heute die Möglichkeit haben ihnen Raum zu geben, in dem sie in ihrer Hilflosigkeit gehalten werden können und Unterstützung bekommen können, die ihnen helfen kann, langsam und behutsam in die eigentliche Klarheit hineinzuwachsen. Wir können ihnen helfen, zu spüren wie es eigentlich gemeint ist. Wer trägt eigentlich die Verantwortung und alles Schwere wenn du klein bist, wenn du ein Baby oder Kleinkind bist? Es kann so wertvoll sein, wahrzunehmen, dass die Eltern von damals die Hilfe bekommen, die für sie wichtig gewesen wäre. All das kann in der Begegnung mit unseren jüngeren Anteilen geschehen, geleitet von der tiefen Weisheit unseres Körpers, der den Weg in die Heilung bereits kennt. Wenn wir in der Begegnung auf unseren Körper achten, entdecken wir die heilsamen Wege.
Wir können wieder in kleinen Schritten beginnen, zu fühlen, dass wir auf tiefster Ebene gehalten werden, dass wir all das Chaos um uns herum in diesen tiefen Halt geben können und spüren, da ist jemand, der all das halten kann. Ich muss es nicht tragen, ich muss es nicht alleine schaffen, ich kann mich sogar vielleicht eine wenig tragen lassen. Wir waren nicht dafür gedacht, das Chaos unserer Eltern zu halten und auch unser Körper darf in kleinen Schrittchen seinen Überlebenskampf zu Ende führen und zurückkehren in seine natürliche Regulation. Wir können immer weiter in ein reguliertes Füreinander-Dasein hineinwachsen, wobei wir uns selbst im Blick behalten können, so dass wir merken, oh, ich kann hier für jemanden kämpfen und mich einsetzen und dann auch wieder zu mir zurückkehren. Wir können uns immer wieder neu ausrichten, frei sein, zu entscheiden, wann ist es gut, mich einzusetzen und wann ist es auch ok, nichts zu tun und zu sehen: Ja, sie sorgen für sich selbst und wenn meine Hilfe gebraucht wird, können sie mich fragen und ich kann aus meiner Verbindung zu Gott und zu mir selbst entscheiden, wann welche Hilfe wichtig ist, gut aufgenommen werden kann und auch in meine und die Kapazität des anderen hineinpasst.
Ich wünsche Dir alles Liebe!
Deine Kathrin


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