Fühlst du dich oft überfordert?

Hey, so schön, dass du da bist!

Heute möchte ich mit dir teilen, was wir machen können, wenn Gefühle von Überforderung in uns hochkommen.

Vielleicht kennst du auch die Momente, in denen dir auf einmal alles zu viel wird und plötzlich nichts mehr geht. Da ist das Gefühl ‚ich muss sofort etwas tun‘ und gleichzeitig ein ‚ich kann gar nichts tun‘. Manchmal ist genau dieses Spannungsfeld, was da in uns entstanden ist zu einem Grundgefühl geworden, uns vertraut. Vielleicht hast du auf deinem Weg immer wieder versucht, da rauszukommen und bist dabei immer wieder in diesem Gefühl tiefer Ohnmacht gelandet, als gäbe es da einfach keinen Weg hinaus, als wärst du gefangen darin. Manchmal bekommen wir dann das Gefühl, dass niemand uns helfen kann, dass wir selbst und alle anderen sich die Zähne bei uns ausbeißen und es gibt einfach keine Lösung.

Was zeigt sich da eigentlich in uns und wie können wir damit gut und auf eine heilsame Art umgehen? Wie finden wir wieder in ein ‚ja, da gibt es einen Weg‘.

Dein Nervensystem verstehen

Erstmal finde ich es sehr hilfreich zu verstehen, was da in uns eigentlich vorgeht. Warum erstarre ich innerlich, werde bewegungslos und gleichzeitig meldet sich Panik und das Gefühl ‚ich muss hier raus‘? Im Körper zeigt sich dabei manchmal eine tiefe Ohnmacht und Bewegungslosigkeit und eine wahnsinnig hohe Intensität, ein innerer Druck, als wäre alles blockiert.

Unser autonomes Nervensystem steuert die Bereiche unseres Körpers, die wir nicht bewusst steuern können, wie unsere Verdauung, unseren Herzschlag, unser Hormonsystem, den Atem. Es besteht aus dem Sympathikus, der uns in die Aktivierung bewegt und dem Parasympathikus, der uns in die Ruhe und Entspannung führt. Unser Nervensystem verfügt über sogenannte Überlebensfunktionen, da gibt es den Kampf- und Flucht-Impuls, die beide zum Sympathikus gehören und die Erstarrung, die zum Parasympathikus gehört die dann einsetzt, wenn Kampf und Flucht nicht (mehr) möglich sind. Ein gut reguliertes Nervensystem führt uns in weichen Wellen mal in Richtung Ruhe und mal in Richtung Aktivität. Wenn unser Körper uns schützen möchte, kann er uns in Richtung Aktivität führen, so dass wir flüchten oder uns wehren können oder er führt uns in Richtung Erstarrung, die in mehreren Stufen immer tiefer gehen kann, so dass wir die Situation immer weniger wahrnehmen.

Und in besonderen Fällen können beide Zweige des Nervensystems gleichzeitig aktiviert werden und dann möchte unser Körper in die Aktivierung, sich wehren oder weglaufen und gleichzeitig ist er erstarrt. Es fühlt sich an wie ein völlig zugeparktes Auto zu sein oder ein zu fest gezogener Knoten, es geht nicht vor und nicht zurück. Und wenn wir mit diesem besonderen Zustand, den man auch Double Bind nennt arbeiten wollen, braucht es sehr viel Geduld, denn es ist eine Millimeterarbeit. Auf unserem Heilungsweg begleiten wir die sich wiederstrebenden steckengebliebenen Impulse des Körpers einen Millimeter in Richtung Aktivierung und dann einen Millimeter in Richtung Ersatrrung, bis der Körper beide Reaktion vervollständigen konnte und sich langsam wieder reguliert.

Stabilisieren & Halt finden

Wenn es alte Überforderung ist, die sich löst, fühlt es sich so an als gäbe es keinen Ausweg, keinen Lichtblick und da ist es für mich so hilfreich, wenn ich jemanden an meiner Seite habe, der mich daran erinnert, dass mein Körper sich bereits auf dem Weg in die Heilung befindet und es sich deswegen gerade so schwer anfühlt und das Gefühl gerade so präsent ist. Das erleichtert es mir, diesen Zustand mit den so chaotischen Körperempfindungen und Gefühlen erstmal da sein zu lassen, ankommen zu lassen und nicht mehr dagegen zu kämpfen. Und bevor ich mich den Gefühlen annähere, sorge ich erstmal dafür, dass ich Stabilität im Hier und Heute finde, ich orientiere mich im Raum, finde etwas, was angenehm ist, den Halt, der mich gerade trägt. Je jünger die Anteile sind, die in diesem Gefühlschaos steckengeblieben sind, kann es so wertvoll sein, wenn sie sich mit allem was da ist, bei jemandem oder etwas anlehnen können, was stabil ist, was ruhig ist, so dass Co-Regulation entstehen kann.

Ich mache mir gern bewusst, dass diese Gefühle wahrscheinlich aus der tiefen Vergangenheit kommen, als ein Anteil von mir in einer völlig auswegslosen Situation feststeckte. Dieser Anteil möchte sich heute ein Stück weiter daraus befreien und deswegen spüre ich diese Verzweiflung, auch obwohl es vielleicht in meinem heutigen Leben gerade ganz ok ist.

Den Knoten langsam lösen

Vor allem dieses Gefühl von Chaos, dass mit dem Double Bind mitkommt, ist absolut herausfordernd. Unsere instinkthafte Reaktion ist, dass wir das ordnen wollen, einen Weg daraus finden wollen, es weg haben wollen und das ist absolut verständlich. Ich folge gern der Frage: Was hilft mir mit dem, was gerade da ist, sein zu können?

Das Trauma ist entstanden als zu viel, zu schnell passiert ist und wir können erstmal beginnen, dem Körper zu zeigen, dass es heute möglich ist, Pausen zu machen und dem, was da ist nur in kleinen Portionen zu begegnen. Wie ist es mitten im Chaos den Halt zu finden, der dich gerade trägt, den Boden unter dir zu finden, einen Schluck warmen Tee zu trinken, dich an etwas anzulehnen? Wenn wir dem Gefühl langsam mehr Raum geben, dann können Impulse aufkommen in Richtung Erstarrung oder in Richtung von Aktivität und wir folgen ihnen in Millimetern und machen wieder eine Pause, nehmen bewusst Abstand, fühlen die Stabilität im Hier und Jetzt. Und während dabei unsere Kapazität wächst, diesem Gefühl zu begegnen beginnen wir zarte Schritte zu gehen. Der Weg in die Heilung, den es in uns bereits gibt – den unser Körper kennt, öffnet sich immer mehr.

Der Weg ensteht

Es gibt eine heilsame Ordnung, in die dein Körper bereits hineinstrebt, ein tiefer liebevoller Ruf, der deinen Körper mit jedem Atemzug erreichen möchte. Wir können mit diesem heilsamen Plan in uns – unserem Blueprint – in Verbindung gehen, ihn beginnen wahrzunehmen. Für mich ist es schön, einfach nur zu wissen, da gibt es diese tiefe Ordnung in mir und mein Körper strebt da hinein und kennt den Weg und ich lerne diesen Weg zu erkennen und der tiefen Weisheit in mir zu vertrauen.

Diese große Intensität war so lange in deinem Körper gespeichert, du hast sie solange so tapfer getragen. Es gab große Herausforderungen und du bist immer noch da, du hast überlebt. Nun bringt dein Körper diese steckengebliebenen Reaktionen hervor mit all den Gefühlen, die du damals gefühlt hast. Heute schaffen wir liebevolle Räume, in denen genug Sicherheit da ist, um aus dem alten Überebenskampf langsam auszusteigen.

Alles Liebe,

Deine Kathrin


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