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Phasen der Traumaheilung – Wie ist es, wenn Trauma heilt?

Hallo und wie schön, dass du hier bist!

Wie geht es dir eigentlich mit deiner Traumaheilung? Erlebst du auch bestimmte Phasen, die sich wiederholen oder ist es immer wieder neu und fühlt sich vielleicht an wie ein großes Durcheinander? Manchmal kann es sehr tröstlich sein einfach mal zu hören, wie andere durch ihre Entwicklungsprozesse gehen. Es hilft einem vielleicht, sich zu orientieren und sich wieder leichter auf die eigene Heilung einzulassen. Und deshalb möchte ich einfach mal von den Phasen der Traumaheilung erzählen, so wie ich sie oft erlebe und wahrnehme. Das kann bei dir aber auch ganz anders sein und sich ganz anders anfühlen. 🙂

Ich teile den Prozess auf in fünf wesentliche Phasen, die wir auch in anderen Lebensbereichen finden können: Die Vorbereitung. Der Beginn. Die Mitte. Das Ende. Die Integration.

Die Vorbereitung: Geborgenheit & Sicherheit

Meistens bevor ein Heilungsprozess beginnt, nehme ich eine kleine Phase von Leichtigkeit wahr. Es ist als würde mich ein wärmendes Licht umgeben und mich in Geborgenheit einhüllen. Meistens sind das sehr genussvolle Momente, in denen mir schon langsam klar wird, dass diese liebevollen Gefühle das Fundament sind, auf dem mein nächster Heilungsschritt geschehen kann. Oft tauche ich in dieser Zeit bewusst ein in meine Verbundenheit zur göttlichen Liebe.

Der Anfang: Durcheinander

Und wenn der Heilungsprozess langsam in Gang kommt, gibt es oft eine Art Gefühlschaos, was sich anfühlt, als wenn ich das nie ordnen könnte.

Oft nehme ich in dieser Phase auch eine Art Gegenreaktion in mir wahr. Einen Anteil, der gegen diesen Prozess zu kämpfen beginnt, der gar nicht weiß, dass gerade Heilung geschieht. Er kämpft und kann sich nicht vorstellen, dass es ohne seinen Widerstand leichter werden könnte. Oder auch Anteile, die flüchten wollen und das alles nicht mehr aushalten wollen. Das zeigt sich oft in körperlicher Anspannung, Verbissenheit oder auch in etwas Nebligem, was sich in mir zeigt. Das kann ganz unterschiedlich sein. Manchmal beunruhigt mich das, aber dann erinnere ich mich daran, dass es einfach auch mit zu dem Prozess gehört. Schon hier zu Beginn kommen viele Anteile hervor, die gesehen und in ihren Reaktionen begleitet werden möchten. Und ich kann sie mit den Morgenlicht-Werkzeugen unterstützen, wie z.B. dem Pendeln zwischen den unterschiedlichen Qualitäten, den Micromovements (kleine Bewegungen in Zeitlupe) und Minipausen im Lösungsprozess.

Die Mitte: Vertrauen & Hingabe

Und für mich ist es dann oft so, wenn ich mittendrin bin, dass ich mir kaum klar darüber bin was jetzt gerade geschieht, also was genau gerade heilt. Es fühlt sich eher an wie eine große Heilungswelle, die ich nicht mehr kontrollieren kann. Und dann gibt es einen wundervollen und zugleich einen der herausforderndsten Momente für uns Menschen – die Hingabe an das, was gerade geschieht, ohne zu wissen, was das Ergebnis des Prozesses ist oder wann er endet. In dieser Phase hilft es mir oft, mich innerlich anzulehnen an die größere Liebe, an Gott, der alles trägt und hält. Und ich schaue nur immer auf den nächsten kleinen Schritt, der heute – jetzt möglich ist.

Schicht um Schicht zeigt sich und ich merke, ich muss nichts tun. Ich gebe einfach Raum, indem ich präsent bleibe so gut es geht – verbunden mit meinem erwachsenen Selbst. Ich nehme die Anteile wahr und gebe ihnen bewusst Raum für das, was sie mitbringen, für ihre tiefen Wahrnehmungen von Auswegslosigkeit, ihre Gefühle von Einsamkeit oder Stress, die sie aus der Vergangenheit mitgebracht haben. Je mehr Geborgenheit und Stabilität mein Körper in dieser Phase fühlen kann, umso leichter kann ich präsent bleiben und die Gefühle können durchrollen und verdaut werden. Wir können sie begleiten und helfen, die alten Reaktionen im Körper vollständig werden zu lassen und wir halten den Raum, damit Entwicklungen nachgenährt werden können.

Das Ende: Vollständig werden

Wenn eine Heilungswelle ausschwingt bemerke ich oft eine tiefe Ruhe und einen tiefen Frieden, sogar eine Freude und große Dankbarkeit. Der ganze Prozess wird rund und ich lande in einer neuen Ordnung. Manchmal kommen kleine Impulse für die Integration in den nächsten Tagen. Zum Beispiel in der nächsten Zeit alles etwas ruhiger zu machen oder es kommt ein bestimmtes Wort oder Bild, das mich begleitet.

Die Integration: Geschenke annehmen

Oft bemerke ich, dass durch diesen Prozess mehr von mir ins Leben gekommen ist. Manchmal merke ich es an einer umfassenderen Wahrnehmung, ich kann irgendwie mehr fühlen und sinnlich erfahren. Das ist die Phase, in der dieser innere Raum, der durch den Heilungsprozess frei geworden ist, ausgefüllt wird durch mehr von unserer Seele. 🙂 Und an dieser Stelle merke ich wie Worte die tiefe Bedeutung dessen, was geschieht verkürzen – so bitte ich dich einfach hinein zu fühlen, wenn du magst.

Ich bemerke in dieser Phase, wie sich die zarten Veränderungen behutsam in mein Leben integrieren und gleichzeitig spüre ich das Potenzial für weiteres Wachsen für die nächste Heilungswelle. Es beginnt erneut.

***

Vielleicht ist ja etwas für dich dabei, was dir Mut macht deinen Weg weiter zu gehen. Ich finde, wir brauchen viel Beharrlichkeit und Geduld dabei. Manchmal komme ich mir vor, als wäre ich auf einem schmalen, gewundenen, wilden Bergpfad unterwegs und ab und zu kann ich einen Bick durch die Wolken werfen oder mich auf einen sonnigen Stein setzen und ausruhen, mich mit anderen darüber austauschen und Unterstützung annehmen und immer wieder den nächsten Schritt begrüßen, der auf mich zukommt. Manchmal gehe ich an einem Tag durch alle fünf Phasen und manchmal braucht es Tage oder Wochen, bis ein Prozess vollständig wird und dann beginnt der nächste. Und ja, manchmal fühlt es sich sogar an, als würden drei oder vier Prozesse gleichzeitig geschehen.

Alles Liebe zu dir!


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