Hallo, wie schön, dass du da bist!
Heute möchte ich gern ein bisschen mit dir erkunden, wie wir Halt finden können, wenn sich alte Strukturen in unserem Inneren und auch äußerlich in unserem Leben auflösen, die uns Halt gegeben haben. Woran können wir uns festhalten, wenn nichts da zu sein scheint? Und warum sind vielleicht gerade solche Momente manchmal entscheidende Entwicklungspunkte auf unserem Weg? Gibt es liebevollen Halt, der nie vergeht?
etwas, was sich neu entwickelt
Ich finde, Halt hat auch etwas mit Vertrauen zu tun. Vertraue ich auf das, was mich hält? Kann ich mich halten lassen? Wenn wir in unserem Leben die Erfahrung gemacht haben, dass all das, was uns Halt gegeben hat, fortgeht und wir allein gelassen werden, dann lassen wir uns manchmal nicht mehr so ohne weiteres auf Halt oder Gehaltenwerden ein. Manchmal entwickeln wir uns vielleicht eher zu einem Einzelkämpfer, der überzeugt ist, nichts und niemanden zu brauchen oder der einfach erfahren hat, da ist sowieso niemand und wenn ja, dann nur für kurze Zeit. Auf unserem inneren Heilungsweg kommen wir früher oder später mit genau diesen tiefen Mustern und alten Prägungen in Berührung. Wir können beginnen, diesen Anteilen in uns, die diese Themen von Einsamkeit, Haltlosigkeit, Einzelkämpferdasein mitbringen, Raum zu geben und ihnen zuzuhören und zu beobachten. Was bringen sie mit? Wo fühle ich das in meinem Körper? Und kann ich ein bisschen davon wahrnehmen und verdauen? Und wir können mal ganz einfach beginnen und ihnen anbieten, den Halt von heute zu spüren.
Und dazu möchte ich dir ein paar praktische Tipps an die Hand geben, die du gern mal ausprobieren kannst, wenn du merkst, dass du dich haltlos fühlst, dass sich der Einzelkämpfer in dir gerade im Kreis dreht oder du tiefer Einsamkeit begegnest. Schau einfach, welches der Werkzeuge in diesem Moment für dich passt. Was möchte dein Körper?
Halt, der dich trägt
Du kannst erstmal die ganz einfachen Dinge finden, die dir Halt vermitteln, den Boden fühlen, der grad da ist oder vielleicht fühlst du auch deine Sitzfläche und du kannst dich ein bisschen mehr anlehnen und mehr von deinem Körper kann beginnen, den Halt ganz vorsichtig zu spüren. Du kannst auch probieren, mit deiner inneren Wahrnehmung zu spüren, wie die Erde dich gerade trägt oder vielleicht fühlst du dich gehalten von einem liebevollen Krafttier, wie einem großen Elefant oder einem gemütlichen Eisbären.
dich selbst halten
Manchmal kann es sehr hilfreich sein, dich selbst zu halten. Dazu kannst du deine Arme überkreuzen und deine linke Hand auf die rechte Schulter legen und deine rechte Hand auf die linke Schulter und dann den körperlichen Halt wahrnehmen, der so entsteht, wie eine Umarmung.
Es kann auch schön sein, deine Hände auf einen bestimmten Körperbereich zu legen, zum Beispiel auf den Brustbereich oder auf deine Beine und sanft dagegen zu drücken, so dass dein Körper spürt, da ist etwas da. Eine wunderschöne Übung, die man überall machen kann, ist, eine Hand in die andere zu legen und in den Halt hineinfühlen, der da ist.
Es gibt auch kleine Hilfsmittel, wie zum Beispiel eine Gewichtsdecke, die man gut verwenden kann um sich gehalten zu fühlen. Oder was ich auch gerne mache, ist, eine Decke oder einen dicken Schal eng um meine Schultern zu legen und einfach eine Weile spüren und den Halt ankommen lassen.
dich an etwas festhalten
Manchmal möchten wir auch nach etwas greifen und festhalten und dem können wir dann nachgehen. Wir können es erlauben und schauen, was geschieht wenn meine Hände in die Decke greifen dürfen und sich daran klammern können oder die Füße sich in den Boden oder in das weiche Sofapolster einkrallen dürfen.
Oft braucht der Körper eine Weile, wir dürfen ihm die Zeit geben und immer wieder üben. Manchmal, wenn wir den Halt gefunden haben und uns erlauben uns festzuhalten oder gehalten zu werden, dann zeigen die Anteile ihre Gefühle noch mehr und die Welle von Haltlosigkeit kommt dann richtig zum Vorschein. Auch andere Gefühle schwappen vielleicht mit an die Oberfläche und nach und nach ebbt diese Welle ab. Wir dürfen weiterhin den Halt fühlen, während diese Gefühle durchrollen und wir die Vergangenheit verdauen.
etwas, was bleibt
Mit all diesen Übungen der körperorientierten Traumaheilung ermöglichen wir uns, dass immer mehr von uns den Halt wiederfindet, den wir vielleicht einmal verloren haben. Mit jedem Mal ertasten wir den Halt erneut und schauen, ist der Boden immer noch da, auch heute, auch jetzt, auch morgen? Manchmal sind es unsere Füße, die wieder ein Stück mehr auf der Erde ankommen können, weil sie sich gehalten fühlen. Wir verankern langsam und immer wiederkehrend die Erfahrung des Gehaltenseins und Gehaltenwerdens in unserem Körper. Und vielleicht wächst langsam ein tiefes Vertrauen in uns, ein Vertrauen in einen tieferen Halt, der nicht vergeht, den wir auf der seelischen Ebene wahrnehmen und im Körper erleben dürfen, indem wir langsam und schrittweise alte traumatische Erfahrungen verarbeiten.
So viel in uns benötigt den liebevollen Halt als Basis für unsere authentische Entfaltung, als Basis für unser Wertgefühl. Und manchmal finden wir den Zugang zu diesem tieferen Halt, gerade in den Momenten wo wir ihn auf einer anderen Ebene verlieren. Wir werden dann wie ein Baum, der sich immer tiefer und kraftvoller verwurzelt und der den Sturm vertrauensvoll in seinen Zweigen spielen lassen kann.
Alles Liebe zu dir!


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