Hey du, so schön, dass du da bist!
Wenn es besonders herausfordernde Phasen gibt, beobachte ich bei mir oft, dass alles in mir beginnt schneller und hektischer zu werden. Ich fühle mich leichter gestresst und werde innerlich dann immer schneller und schneller. Ich komme mir dann wirklich wie ein Hamster in einem Hamsterrad vor, ich komme nirgends an und bin nur am Rennen und irgendwann völlig erschöpft. Kann ich das alles schnell hinter mich bringen, damit wieder Ruhe einkehrt? Ich muss das noch erledigen, dann wird es bestimmt ruhiger. Kennst du solche Gedanken und diesen inneren Stress auch? Es fühlt sich fast so an, als könnte man einfach nicht von alleine aufhören.
Verborgene Impulse entdecken
Dieser tiefe innere Stress kann viele Ursachen haben und wir können ihm in der körperorientierten Arbeit ganz individuell begegnen und schauen, welche Bereiche im Körper fühlen denn diesen Stress. Vielleicht spürst du die innere Unruhe in deinen Armen und Schultern oder mehr in den Beinen oder auch im Bauch oder in den Hüften. Wir können so erkunden, wo unser Körper diesen alten Stress gespeichert hat und wir können schauen wie es sich anfühlt. Welche Qualität hat die Unruhe, fühlt sie sich vielleicht flirrend an, ist sie irgendwie überall oder wandert die Empfindung durch den Körper hindurch? All diese Fragen können uns helfen, mit unserer inneren Unruhe mehr in Kontakt zu kommen.
Und wenn wir unserem Körper in diesem Stress begegnen, entdecken wir manchmal einen tiefen inneren Überlebensimpuls, der oftmals aus der Vergangenheit stammt. Hinter diesem inneren Rasen und Rennen verbirgt sich manchmal ein Impuls unseres Körpers zu flüchten. Vielleicht gab es in unserer Vergangenheit Situationen aus denen wir wegrennen wollte aber nicht konnten. Die Spannung hat sich damals in unserer Muskulatur aufgebaut, unser sympathisches Nervensystem hat sich mobilisiert und zur Flucht bereit gemacht und unseren Körper in Bewegung bringen wollen. Wenn aber diese Bewegungen im Körper stecken geblieben ist und nie vollständig durchfließen konnten, bleibt auch die Unruhe in uns, solange bis wir diesen Bewegungen Raum schaffen. Und je nach dem aus welchem Alter dieser innere Stress stammt, kann es sein, dass wir ihm ganz unterschiedliche begegnen müssen.
Wie erkennen wir eigentlich, dass dieser Stress, der sich in uns bemerkbar macht aus der Vergangenheit stammt? Das erkennen wir oft daran, dass der gefühlte Stress, den wir gerade erleben eigentlich gar keinen äußeren Grund hat oder die Intensität der Unruhe nicht im Verhältnis steht zu den Herausforderungen, die aktuell da sind. Dann weißt du, dein Körper reagiert nicht nur auf die jetzige Situation, sondern auch auf die Vergangenheit.
Bewegungen, die unseren Körper befreien
Wie können wir uns und unserem Körper helfen, diese Fluchtimpulse durchfließen zulassen?
Wenn wir uns einstimmen auf den Körper und die Unruhe wahrnehmen, können wir erstmal einfach eine Weile lauschen und warten, bis ein Impuls zur Bewegung in unserem Körper entsteht. Wir warten auf den Körper. Und damit wir diese Körperspeicherungen mit den Gefühlen zusammen langsam verarbeiten können und damit das möglichst liebevoll gelingt, können wir die Micromovements nutzen. Das sind kleine Bewegungen in Zeitlupe, die uns ermöglichen uns nicht zu überfordern und in kleinen Schritten die große Ladung in uns zu entlassen. Manchmal entsteht ein Wegrennen in unseren Beinen, dem wir folgen indem wir eine Intensität in den Muskeln zu spüren beginnen, ein Bewegungsimpuls entsteht und wir langsam mitgehen. Wir machen Pausen und finden immer wieder das Angenehme oder Neutrale, um in unserer erwachsenen Präsenz zu bleiben, damit die Vergangenheit sich langsam lösen kann.
Manchmal zeigt uns unser Körper aber auch das Bedürfnis zu flüchten, ohne dass Bewegung möglich ist, also ohne, dass sich eine Bewegung in unserem Körper formt, dann haben wir es oft mit Anteilen aus unserer ganz frühen Kindheit zu tun. Der Fluchtimpuls besteht dann eher aus dem Bedürfnis, aus der Situation herausgeholt zu werden, beschützt zu werden, gerettet zu werden. Wenn wir diese Qualität bemerken, können wir erlauben, dass liebevolle Unterstützung diesen Anteil aus der Situation herausholt. Wir müssen es nicht allein können.
Ankommen in Geborgenheit
Es ist so wichtig, dass wir in diesem Prozess, in dem sich Fluchtimpulse in uns vervollständigen wollen, auch den Ort finden, zu dem wir flüchten wollen – die Geborgenheit, die Höhle, den sicheren Ort bei einem lieben Menschen, in die Natur, in ein Baumhaus, zu den Sternen. Wo auch immer es ist, was dieser Anteil in uns braucht, wir können ihm anbieten, an diesem Ort ankommen zu dürfen. Und dieses Ankommen in der Sicherheit können wir nachträglich erfahren und fühlen lernen, Stück für Stück.
Und das Schöne dabei ist, dass mit der Zeit mehr innere Ruhe in dir entsteht, ohne dass du dir vornehmen musst, dich jetzt zu beruhigen. Es entsteht eine Ruhe in dir, die körperlich verankert ist, in jeder Zelle in dir zur Möglichkeit geworden ist. Ich bemerke diese tiefen Veränderungen dann oft in ganz alltäglichen Dingen irgendwie so nebenbei quasi, wie dass ich innerlich ruhiger bleibe beim Geschirr abspülen oder beim Autofahren und dass ich all das anders erleben kann. Ah, das ist so toll und so befreiend, besonders in Situationen, die herausfordernd sind, wo wir dann einfach auf einmal bemerken, wie viel ruhiger wir bleiben können. Mehr Gelassenheit entsteht, mehr innere Freiheit und mehr Kapazität und Ruhe und das wünsche ich auch dir von Herzen.
Und wenn du deinen inneren Stress heilsam begleiten möchtest, findest du hier eine kleine Übung dazu.


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