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Freeze – Innere Erstarrung begleiten

Hallo, wie schön, dass du da bist 🙂

Geht es dir auch manchmal so, dass du das Gefühl hast, als würdest du wie erstarrt sein? Du kannst dich nicht mehr motivieren, etwas zu tun? Jede Bewegung scheint zu viel zu sein und es ist einfach so wenig möglich? Vielleicht spürst du eine große innere Schwere oder Kälte im Körper. Da sind vielleicht Gedanken wie „ich schaffe das nicht“, „es gibt keinen Ausweg“, „ich komm da nie raus“.

Manchmal kommen während unserer Heilung als Teil unserer Heilung Anteile in uns hervor, die ein Gefühl tiefer Stagnation mitbringen, ein Eingefrorensein, ein „nicht können“. Im Körper kann es sich z.B. zeigen wie eine Schwere in bestimmten Körperbereichen, ein nebliges Gefühl, wie in Watte gepackt zu sein, ein ‚in sich zusammensinken‘, eine Kälte. Und diese Wahrnehmungen sind oft verknüpft mit starken Gefühlen von Hoffnungslosigkeit. Mir geht es immer wieder so, wenn diese Anteile hervorkommen, dass ich denke, ich habe irgendetwas falsch gemacht, dass ich mich jetzt so fühle. Als ich aber begann zu verstehen, dass diese Gefühle hochkommen, nicht damit sie bleiben, sondern damit sie gehen können, oh, da fällt mir auch heute immer wieder ein Stein vom Herzen.

Wie sich unser Körper schützt

Was genau kommt denn da eigentlich zum Vorschein?

Unser Körper besitzt die wundervolle Fähigkeit, uns auf verschiedene Weisen zu schützen, wenn wir überfordert oder bedroht sind. Diese Schutzfunktionen sind Teil unseres autonomen Nervensystems, es ist also nichts, was wir bewusst entscheiden, sondern etwas, was unser Körper in einer Notlage entscheidet. Es gibt Fight- und Flight- Impulse – also den Kampf und die Flucht. Und es gibt den Freeze – die Erstarrung, die dann einsetzt, wenn Kampf und Flucht nicht möglich sind. Wenn wir also auf unserem Heilungsweg bemerken, ich fühle mich wie erstarrt oder Bereiche von mir fühlen sich wie erstarrt, mein Körper fühlt sich kalt und schwer an, dann begegnen wir oft Bereichen in uns, die gerade beginnen aus dem Freeze wieder aufzutauen. Das kann uns sehr herausfordern, weil es oft auch damit verbunden ist, dass wir uns phasenweise sehr schwermütig, hoffnungslos, ja sogar auf eine Art leblos fühlen können. Wir müssen bedenken, dass Freeze der tiefste Schutzmechanismus ist, in den unser Körper hineingehen kann. Das heißt, dass eine Situation ursprünglich so hoffnungslos war, dass unser Körper uns vor der Bedrohung nur noch schützen konnte, indem er erstarrt ist bzw. Bereiche in uns erstarrt sind. Der Freeze verschafft uns eine Art innere Distanz zu einer Situation, die uns überwältigt hat. Unsere Wahrnehmung wird dabei oft etwas nebliger, unser Denken verlangsamt sich häufig, wir werden bewegungsloser und weniger lebendig.

Aus dem Grund ist es meist eine große Herausforderung, wenn sich Freezeschichten in uns zu lösen beginnen, denn all die Gefühle, die in der Vergangenheit da waren, tauchen mit auf. Das Gute aber ist, dass wir ihnen heute und hier ein anderes Fundament schaffen können, einen liebevollen Raum, in dem diese Schichten in uns schmelzen dürfen, ganz in ihrer Zeit und in kleinen Schritten, ohne uns erneut zu überfordern.

Wenn Freeze schmilzt

Wie können wir es unseren erfrorenen Anteilen erleichtern, zu schmelzen?

Es gibt ein paar hilfreiche Dinge, wie wir uns im Alltag unterstützen können: Erstmal dürfen wir gaaaanz geduldig mit uns werden. Das ist das, was unsere erstarrten Anteile uns oft in diesen Prozessen auch wirklich beibringen – liebevolle Geduld. Was auch sehr hilfreich ist, ist ganz viel Verständnis für uns selbst, Wärme und Geborgenheit, Einkuscheln in warme Decken, Wärmflaschen am Bauch und Rücken bei den Nieren sind wundervoll, warme Fußbäder, sich Ruhe gönnen.

Und weil Freeze keine bewusste Entscheidung ist, sondern quasi eine Körperentscheidung, ist es sehr hilfreich dem Freeze auch auf der Körperebene zu begegnen und ihm da Raum zu geben, wo er wirklich ist. Mir hilft es oft, mich einzustimmen auf meinen Körper und mich innerlich neben diese Anteile zu setzen und einfach nur bei ihnen zu sein mit der inneren Haltung, dass sie sich nicht verändern müssen, dass sie so sein dürfen wie sie sind und wir sind einfach nur da – wie eine wärmende Sonne, die sanft auf sie leuchtet. Sie schmelzen von alleine, wenn es soweit ist. Wir geben Geborgenheit und Zeit und wir warten liebevoll. Währenddessen kann es sehr hilfreich sein, mit unserer Aufmerksamkeit immer wieder zu etwas Lebendigem zu wandern, so dass unser Körper merkt, er ist nicht gefangen im Freeze – unsere Aufmerksamkeit kann pendeln zwischen dem Erstarrten in uns und dem Lebendigen. Es kann eine tägliche Übung sein, den erstarrten Anteilen in uns diesen liebevollen Raum zur Verfügung zu stellen.

Es ist ein schrittweiser Prozess und dauert wirklich seine Zeit. Wir müssen bedenken, dass es sich manchmal um Freeze handelt, der über viele Jahre entstanden ist, so braucht er einfach auch Zeit, wieder zu schmelzen. Aber wenn der Raum, den wir uns geben, liebevoll und sicher genug ist, dann beginnt der Freeze ganz von allein wieder aufzutauen und wir entdecken die Schätze, die im Eis verborgen waren. Manchmal erwacht unsere Kreativität, unsere Leichtigkeit und der lebendige Fluss, finden langsam ein Stück mehr in unser Leben zurück.

Hier gibt es eine kleine Übung zur liebevollen Begleitung für die erfrorenen Anteile.

Alles Liebe für Dich!


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